
Die ICL (implantierbare Kontaktlinse) ist eine zusätzliche Linse, die ins Auge eingesetzt wird und Ihre eigene Linse erhält. Sie korrigiert Kurz-, Weitsichtigkeit und Hornhautverkrümmung, gewebeschonend, ohne Abtrag an der Hornhaut, und grundsätzlich wieder entfernbar. Für viele Augen ist sie eine vollwertige Option zur Brillenunabhängigkeit, über ein breites Spektrum an Fehlsichtigkeiten hinweg, von niedrigeren bis zu sehr hohen Werten. Ob sie zu Ihnen passt, klären wir gemeinsam.
Die ICL wird in einem Eingriff ins Auge eingesetzt und sitzt dort dauerhaft, hinter der Iris (Regenbogenhaut) und vor Ihrer eigenen Linse. Ihre natürliche Linse bleibt erhalten und arbeitet weiter; die ICL ergänzt sie, ähnlich wie eine Kontaktlinse, nur im Auge statt darauf.
Lange lag der Fokus auf sehr starker Kurzsichtigkeit oder auf Augen, deren Hornhaut sich fürs Lasern nicht eignet, und dort ist die ICL nach wie vor stark. Inzwischen hat sich die Datenlage erweitert: Die ICL wird zunehmend auch bei niedrigeren Werten als eigenständige Option betrachtet, nicht nur als Ausweichweg. Weil sie kein Hornhautgewebe entfernt und die Augenoberfläche nicht wie ein Laser belastet, kann sie je nach Auge sogar die naheliegendere Wahl sein.
Die ICL ist für mich nicht nur Behandlung, sondern Forschungsthema. Unter anderem habe ich zwei eigene Formeln zur Stärkenberechnung dieser Linsen entwickelt und peer-reviewt publiziert: die Linz-Homburg-Castrop-Formel für die ICL (J Cataract Refract Surg, 2023) und die LION-Formel für ICL und IPCL (Am J Ophthalmol, 2024). Eine Übersicht meiner Arbeiten zur ICL und zu phaken Linsen finden Sie auf PubMed.
Eine der häufigsten Fragen, und eine berechtigte. Die Antwort ist klar: nein. Die ICL sitzt geschützt hinter der Iris und vor Ihrer eigenen Linse. Im Alltag spüren Sie sie nicht, und von außen ist sie nicht zu sehen.
Das Material moderner Augen-Kunstlinsen ist seit den Anfängen der Intraokularlinse im klinischen Einsatz, seit Sir Harold Ridley die erste Kunstlinse implantierte. Es gilt als ausgesprochen gut verträglich. Weltweit, und besonders in asiatischen Ländern, werden ICLs in sehr großer Zahl implantiert. Daraus existiert eine breite, über viele Jahre gewachsene Datenbasis zur Sicherheit und Verträglichkeit des Materials, ohne gehäufte Probleme, die dem Material anzulasten wären.
Ob die ICL für Sie infrage kommt, hängt unter anderem von Ihren Werten, der Tiefe der Vorderkammer im Auge und der Endothelzellzahl der Hornhaut ab, Dinge, die eine sorgfältige Voruntersuchung klärt. Wie bei jedem Eingriff im Auge wägen wir Nutzen und Aufwand individuell ab. Sollte die ICL bei Ihnen nicht die beste Lösung sein, teile ich Ihnen dies im Gespräch selbstverständlich mit und erörtere mit Ihnen die Alternativen.
Laser oder Linse? Hornhaut-Laser und ICL lösen dieselbe Aufgabe auf zwei Wegen, der eine an der Hornhaut, der andere mit einer Linse im Auge. Welcher passt, hängt von Hornhaut, Fehlsichtigkeit und Alltag ab.
Das entscheidet sich an Ihrem Auge und Ihren Seh-Prioritäten, nicht an einer pauschalen Regel. In der Sprechstunde klären wir Ihre Werte, Ihre Eignung und ob die ICL, oder ein anderer Weg, für Sie sinnvoll ist.
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